Die Vorkommen der Purpurgrasnelke auf den Bodenseestandorten sind seit 1975 erloschen. Hier sind die Ursachen für das Verschwinden der Art v.a. in der Eutrophierung und direkten menschlichen Eingriffen (Verbauung, Trittschäden, Anlanden von Treibgut) zu suchen (DIENST & WEBER 1993, STRANG & DIENST 1995, KNAPP 1999). Im Benninger Ried wirkt sich dagegen insbesondere die Nivellierung der Quellschüttung negativ auf die Kopf- und Schneidriedbestände und damit auf die Purpur-Grasnelke aus. Basierend auf einer detaillierten Erfassung der Pflanzengesellschaften (LANGER 1958) lässt sich deutlich die negative Bestandsentwicklung des Kopf- bzw. Schneidrieds sowie die in der Folge einsetzende Sukzession hin zum Kiefern- bzw. Fichtenmoorwald in den letzten 40 Jahren ablesen. Dabei muss aufgrund der Rasanz dieser Entwicklung - ohne entsprechende Gegenmaßnahmen - innerhalb der nächsten Jahrzehnte mit einer weitgehenden Bewaldung des Benninger Rieds gerechnet werden. Diese Prognose wird auch durch die eingehenden Untersuchungen von WEISS (1999) bestätigt. Sie konnte nachweisen, dass sich die Vegetationsverhältnisse (insbesondere seit 1988) drastisch verändert haben. So sind viele riedtypische Arten mittlerweile verschwunden bzw. haben bezüglich ihrer Artmächtigkeit stark abgenommen. Dagegen ist ein starker Anstieg von Artenzahl und Deckungsgrad unspezifischer Arten, insbesondere von Hochstauden und Gehölzen festzustellen.
LANGER (1958) gibt in seiner Arbeit eine Sukzessionsfolge für die Pflanzengesellschaften des Benninger Rieds an, die sich wie folgt darstellen lässt:
Die Sukzession lief dabei ursprünglich nur sehr langsam ab. Dies war auf die für das Ried charakteristischen, stark wechselnden Wasserstände auf relativ hohem Niveau zurückzuführen, die eine Anhäufung organischer Substanz - und damit ein Anwachsen des Oberbodens über das Grundwasserniveau als Voraussetzung für ein Fortschreiten der Sukzession - weitgehend einschränkten. Bei optimalen hydrologischen Verhältnissen wurden die drei für die Purpur-Grasnelke entscheidenden Pflanzengesellschaften (Schneid- und Kopfried, Quellfacies) also erst nach geraumer Zeit durch eine Folgegesellschaft abgelöst und bildeten untereinander ein dynamisches Gleichgewicht, das über lange Zeit hinweg Bestand haben konnte. Die Sukzessionsfolge, wie sie LANGER (1958) für das Benninger Ried darstellt, hat sich nach WEISS (1999) vor allem in den letzten zehn Jahren grundlegend verändert: konnte zwischen 1958 und 1988 lediglich eine - wenn auch sehr unerfreuliche - Beschleunigung der Sukzession entsprechend dem Schema von Langer festgestellt werden, so wird die zeitliche Abfolge der riedtypischen Gesellschaften in jüngster Zeit ersetzt durch gleichzeitige Verbuschungstendenzen in all diesen Gesellschaften mit einer Entwicklung hin zum Salix-Gebüsch. Besonders gravierend stellen sich diese Vegetationsveränderungen speziell bei Armeria purpurea dar, die seit der Ersterhebung auf den Untersuchungsflächen einen Rückgang von bis zu 92 % aufweist.