Lage,Geologie, Hydrologie

Das Naturschutzgebiet Benninger Ried liegt unmittelbar südöstlich Memmingen innerhalb des sogenannten Memminger Trockentales. Aus geologischer Sicht handelt es sich dabei um eine würmeiszeitliche Schmelzwasserrinne, welche in die tertiären Schichten der Oberen Süßwassermolasse eingetieft ist. Die Sedimente der Oberen Süßwassermolasse können in diesem Falle als nahezu wasserundurchlässig angesehen werden. Die tief in das Tertiär eingeschnittene Schmelzwasserrinne wurde von Süden her ausgehend von den Endmoränen mit gut wasserdurchlässigen Schmelzwasserschottern verfüllt. Die Mächtigkeit der Schmelzwasserschotter schwankt zwischen mehr als 50 m auf Höhe Wolfertschwenden und zum Teil weniger als 10m im Bereich des Benninger Riedes. Der Südteil der Schmelzwasserrinne ist zwischen Ziegelberg bzw. Grönenbach und Dietmannsried von den würmeiszeitlichen Endmoränen überlagert.

Grundwasserverhältnisse

Das Memminger Trockental ist im Mittel ca. 3 km breit und in etwa 20 km lang, woraus sich unter Hinzuziehung der randlich begleitenden Talflanken bis zur oberirdischen Wasserscheide eine Fläche von ca. 100 km² für das Einzugsgebiet der Grundwasserneubildung ergibt. Die Grundwasserneubildung beträgt ca. 15,9 - 12,7 1/s - km², wobei die höheren Niederschläge im südlichen Teil des Trockentales fallen. Im gesamten Trockental findet kein autochtoner oberirdischer Abfluß statt. Die beiden, das Memminger Trockental durchschneidenden Bäche entspringen beide außerhalb des Einzugsgebietes für die Grundwasserneubildung und durchqueren das Memminger Trockental ohne die Aufnahme weiterer Zuflüsse. Dieses Memminger Trockental stellt mit seinem südlich angrenzenden würmeiszeitlichen Endmoränengürtel das Einzugsgebiet für das im Benninger Ried zutagetretende Grundwasser dar.

Aus der Grundwasserneubildung ergibt sich auf Höhe des Benninger Riedes ein Grundwasserdargebot von ca. 960 1/s. Davon treten bei Mittelwasser ca. 600 1/s (Hochwasser ca. 1.100 1/s; Niedrigwasser ca. 350 1/s) im Naturschutzgebiet Benninger Ried zutage. Nachdem das Grundwasser aufgrund des hohen Karbonatgehaltes der würmeiszeitlichen Schmelzwasserschotter nahe an die Sättigungsgrenze mit Kalzium und Magnesium angereichert wurde, kommt es im Naturschutzgebiet Benninger Ried bei der Erwärmung des Grundwassers im Bereich der Quellaustritte zu einer Ausfällung von Karbonaten. Das Benninger Ried stellt somit ein typisches Quellmoor dar, welches wegen der hohen Karbonathärte des Grundwassers als Kalkflachmoor ausgebildet ist. Aufgrund der jährlich schwankenden Niederschlagsverteilung finden auch im Memminger Trockental deutliche Grundwasserschwankungen statt. Dabei wurden auf Höhe Woringen (flaschenhalsähnliche Verengung der Abflußrinne) Grundwasserschwankungen bis zu 7 m gemessen. Auf Höhe des Brunnens der Wasserversorgung Memmingen betragen die langjährigen Schwankungen ca. 4 m. Auf Höhe des Benninger Riedes werden nur noch wenige Dezimeter Grundwasserschwankung gemessen. Im Ried selbst können nur mehr unterschiedliche Wasserspiegelhöhen in den Abflußrinnen gemessen werden, da hier das Grundwasser in die Oberflächengewässer übertritt. Dies bedeutet, daß Schwankungen des Grundwasserstandes im Vorfeld des Benninger Riedes zu Schwankungen der Quellschüttung im Naturschutzgebiet selbst führen. Das Benninger Ried ist mit seiner typischen Vegetation an den starken Wechsel der Grundwasserstände gebunden, die zu einer starken Schwankung der Quellschüttung im Benninger Ried führen.

Beeinträchtigung

Durch zivilisatorische Einflüsse wurde jedoch die Anbindung des Benninger Riedes an die natürlichen Grundwasserschwankungen stark verringert. Im einzelnen handelt es sich dabei um die massive Veränderung des Gewässernetzes südlich des heutigen Naturschutzgebietes im Rahmen der Ausdehnung der Gemeinde Benningen nach dem Krieg, die Anlage von Drainagesystemen zur Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen im Westen und Norden des Benninger Riedes, die Umgestaltung der Gewässer im Westen des Benninger Riedes sowie um eine, wenn auch geringfügige generelle Absenkung des Grundwasserspiegels (ohne Beeinflussung der Dynamik) durch Wasserentnahmen in der Größenordnung von ca. 140 1/s zwischen Grönenbach und dem Benninger Ried.

Maßnahmen

Nachdem die Folgen der Besiedelung des südlichen Anstrombereiches des Benninger Riedes im Rahmen der Erweiterung der Gemeinde Benningen und der damit verbundenen Veränderung des Gewässernetzes aus heutiger Sicht nicht mehr rückgängig zu machen sind, und auch im Osten des Benninger Riedes durch die bereits sehr frühzeitig erfolgte Anlage des östlichen Riedbaches in seiner heutigen Form die Möglichkeiten zur Veränderung der hydrogeologischen Situation kaum mehr gegeben sind, bleibt derzeit nur noch der südwestliche, westliche und nordwestliche Bereich des Benninger Riedes zur Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der hydrogeologischen Situation des Benninger Riedes Ziel dieser Maßnahmen muß es sein, die Anbindung an die natürlichen Grundwasserschwankungen des Einzugsgebietes zu verbessern. Dazu verbleiben als konkrete Maßnahmen an erster Stelle die Auflassung von Vorflutgräben, welche die natürlichen Grundwasserschwankungen im westlichen Vorfeld des Benninger Riedes abfangen und die Grundwasserdynamik und damit die Quellschüttung im Benninger Ried massiv dämpfen. Dazu wurde in verschiedenen Gutachten die Auflassung des Hoppenriedgrabens und die Verringerung des Abflusses im westlichen Riedbach als politisch und technisch realisierbare Lösung vorgeschlagen. Diese Maßnahmen sollen durch unterstützende Maßnahmen (Auflassung der Drainagesysteme in den landwirtschaftlichen Flächen südwestlich, westlich und nordwestlich des Benninger Riedes) unterstützt werden. Gegebenenfalls können auch Oberflächengewässer aus dem südwestlichen Bereich des Benninger Riedes in den westlichen Riedbach umgeleitet werden, um die Abflußkapazität besser auszulasten.

Ausblick

Wie den oben schon erwähnten Gutachten und der hier vorliegenden Zusammenfassung zu entnehmen ist, sind derzeit nur mehr im südwestlichen, westlichen und nordwestlichen Bereich des Benninger Riedes erfolgversprechende Maßnahmen zur Verbesserung der derzeit massiv gestörten Anbindung des Naturschutzgebietes Benninger Ried an die natürliche Grundwasserschwankung des Einzugsgebietes zu realisieren. Alle unterstützenden Maßnahmen (Flächenankauf, Auflassung der Drainagesysteme auf landwirtschaftlichen Flächen etc.) werden nur dann signifikante Auswirkungen auf die Grundwasserdynamik und die Quellschüttung des Benninger Riedes haben, wenn die Vorflutsysteme zwischen diesen Flächen und dem Benninger Ried derart umgestaltet werden, daß eine Dämpfung der Grundwasserdynamik im unmittelbaren Vorfeld des Benninger Riedes weitgehend unterbunden wird.