Trockental

Trockental, zeitweise oder permanent wasserloses Tal. Allgemein sind Trockentäler Täler ohne Fließgewässer, die dennoch alle geomorphologischen Merkmale der Fluvialdynamik aufweisen. Die häufigste Verbreitung von Trockentälern findet sich in den ariden und semiariden Regionen der Erde. Wadis in den Wüsten zählen ebenso dazu wie Arrojos oder Bajadas (spanisch), episodisch bis periodisch Wasser führende Schottertäler, oder die im Mittelmeergebiet weit verbreiteten Torrentes (italienisch), die nur nach starken Regenfällen oft den gesamten Talboden mit Wasser füllen. Diese Erscheinungsformen zählen zu den so genannten intermittierenden Fließgewässern. In den mittleren Breiten tritt das Trockental als Vorzeitform vor allem als fossiles Schmelzwassertal der ehemals vergletscherten Gebiete in Erscheinung. Ein weiterer Typ ist das trocken gefallene Umlauftal eines abgeschnürten Talmäanders, das den Umlaufberg umgibt. Das Trockental ist auch ein Hauptmerkmal von Karstgebieten. Durch die Tieferlegung der Erosionsbasis in durchlässigem Gestein ist der Grundwasserspiegel so weit gesunken, dass das Fließgewässer unterirdisch verläuft und die darüber liegenden Täler trocken fallen. Die Täler in Karstgebieten können auch als Vorzeitformen entwickelt sein; in diesem Fall entstanden sie während der Eiszeiten, als der Untergrund gefroren war und keine Lösungsverwitterung im Kalk stattfinden konnte.
Ein Sonderfall sind die so genannten geköpften Trockentäler der Schichtstufenlandschaften (z. B. auf der Schwäbischen Alb). Diese Täler setzen am höher liegenden Rand der Stufe mit einer relativ großen Breite ein. Der Oberlauf des Tales, der einst vor dem heutigen Stufenrand lag, wurde durch rückschreitende Erosion bereits abgetragen. Durch Menschen verursachte Trockentäler entstehen durch Eingriffe in den Wasserhaushalt infolge Trockenlegungen, Rodungen, Flussbegradigungen oder industrieller Wasserentnahmen.
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